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"Ich bin gerne Generalist!"
Als vielseitiger und projekterfahrener Interimsmanager, der Technologiebegeisterung und Kommunikationsstärke mit starker "hands-on"-Mentalität kombiniert, ist Marco Versace momentan in seinem zweiten Management-Angels-Mandat bei der Holtzbrinck eLAB GmbH eingesetzt. Er ist Jahrgang 1966 und Deutsch-Amerikaner. Durch sein Physik-Studium hat er ein sehr gutes technisches Verständnis, dass er u. a. in Forschungsarbeit für die NASA einsetzen konnte. Über ein Projekt in der Entwicklung von gehirnwellengesteuerten Computerspielen und frühe Internet-Kontakte schon während des Studiums sammelte er erste Erfahrungen mit Internet-Technologien. Der TIMES-Branche ist er seit 1996 treu geblieben und arbeitete u.a. als Channel-Manager für AOL, im Creative Management Multimedia für Talkline, freiberuflich für Razorfish (Stern.de) und Seekport.
Management Angels: Herr Versace, als Management Angel sind Sie derzeit in einem Projekt bei Holtzbrinck eLAB eingesetzt und beschäftigen sich dort mit einem Geschäftsmodell im Bereich Social Network. Was ist genau Ihre Aufgabe? Marco Versace: Ich wurde beauftragt, mich neben strategischen Konzepten auch mit der möglichen Durchführung nach der Konzeption und Marktanalyse zu beschäftigen.
MA: In welcher Phase befindet sich das Projekt gerade? MV: Derzeit sind wir in der zweiten Phase. Nun wird es konkreter, denn das Brainstorming zur Branche, die Marktanalyse und die grundlegende Konzeption sind nahezu abgeschlossen und wir beschäftigen uns nun mit Fokusgruppen und haben einen Prototyp in Auftrag gegeben.
MA: Warum hat man Ihrer Meinung nach hierfür einen Interimsmanager und nicht einen Unternehmensberater beauftragt? MV: Klar hätte man hier für die erste Phase auch einen Unternehmensberater engagieren können. Dort gibt es viele gute Spezialisten für derartige Research-Themen. Aber eLAB suchte jemanden für die vorbereitenden Analysen und die anschließende Umsetzung. Am besten jemand, der beides bearbeiten kann, denn nicht immer folgen diese beiden Phasen so abgrenzbar sequentiell aufeinander.
MA: Ist eLAB hiermit ein Sonderfall oder arbeiten andere Inkubatoren ähnlich? MV: eLAB ist ein sehr dynamischer Bereich innerhalb der Holtzbrinck-Gruppe – neben Holtzbrinck Ventures und Holtzbrinck Networx. Dort hat man die Strategie gewählt, komplette Entwicklungszyklen frühzeitig von der Idee bis zur Unternehmensgründung voranzutreiben. Der Erfolg zeigt sich in der effizienten/ effektiven Betreuung der Beteiligungen. eLAB hat derzeit ca. 20 Projekte, die durch drei feste Mitarbeiter und viele freie Mitarbeiter betreut werden. Hier werden je nach Projektphase gezielt Spezialisten hinzugezogen.
MA: Würden Sie sich in Ihrem Projekt auch als einen Spezialisten bezeichnen? MV: Ich sehe mich eher als Generalist mit gutem Spezialistenwissen - das gibt mir die Möglichkeit, mit Spezialisten auf hohem Niveau zu kommunizieren. Ich bin sehr gerne Generalist, denn damit bin ich bei allen Projektphasen dabei!
MA: Sie arbeiten ja gerade an einem Social Network Projekt. Können Sie ein wenig mehr dazu verraten? MV: Was ich sagen kann, ist, dass wir eine spezielle Branchennische betrachten, die einerseits eine genügend scharfe Abgrenzung der Zielgruppe besitzt, aber gleichzeitig genügend groß ist, um unternehmerische Möglichkeiten zu bieten. Denn in diesen Nischen bestehen gerade viele Chancen!
MA: Wie beurteilen Sie den Hype rund um das Thema Social Networking? MV: Grundsätzlich ist Social Networking in der Entwicklungskurve schon sehr weit oben, fast nahe des „Peaks“, in der Wirkungskurve jedoch meiner Einschätzung nach noch weit vor dem maximalen Potenzial. Die Bedeutung von Social Networks wird daher zunächst noch weiter steigen. Die derzeitige Aktualität von Social Networks wird jedoch - wie bei jedem Hype - irgendwann verschwinden und sie werden an Aufmerksamkeit einbüßen.
MA: Was macht den Erfolg dieses Trends aus? MV: Einige Faktoren für den derzeitigen Erfolg sind die kollektive Intelligenz, die Gruppenidentität und die entsprechenden Geschäftsmechanismen. Besonders entscheidend ist das noch wenig ausgearbeitete Thema der Reputation einzelner Mitglieder innerhalb eines solchen Netzwerks. Der Marktwert wird durch den Umgang mit Informationen geprägt.
MA: Nicht alle sehen diesen Trend unkritisch. Sehen Sie hierbei auch Gefahren in der weiteren Entwicklung? MV: Bei kollektiver Intelligenz spreche ich von einem „Destillat“, das sich aus der Gesamtheit der verbreiteten Meinungen ergibt. Hier besteht natürlich die Gefahr, dass Massenmeinungen über die Meinungen einzelner Experten gestellt werden. Daher finde ich die sog. „literacy“, also der Umgang mit Informationen, nachhaltig wichtig. Dies muss sicherlich gefördert werden.
MA: Was sind die Erfolgsfaktoren für den Bestand von Social Networks? MV: Die Kunst ist es, nachhaltige Geschäftsmodelle daraus zu entwickeln, strategisch Nischen zu besetzen und dort Communities aufzubauen. Wichtig ist die Identität der Communities: Myspace z.B. ist im Grunde eine hobbyorientierte Selbstdarstellung und extrem erfolgreich mit seinen Möglichkeiten zur Schaffung einer Identität. Dort ist eine gute Kombination von freier Gestaltung einer Identität und Strukturen des Portals geschaffen worden und ich würde sehr gerne wissen, ob das Zufall oder Können war.
MA: Derzeit bewegen Sie sich mit Ihrem Projekt ja in der vieldiskutierten Grauzone zwischen Unternehmensberatung und Interimsmanagement. Was zeichnet Ihr Projekt besonders aus? MV: Die Web 2.0-„Blase“ erlaubt uns allen, Geschäftsmodelle mit relativ wenig (fester) Manpower zu starten und mit vergleichsweise geringen finanziellen Mitteln komplexe Themen zu bearbeiten. Daher ist in diesem Umfeld auch ein fließender Übergang von Beratungsaufträgen in Interimsprojekte möglich – anders als in den kapitalintensiveren Branchen wie z.B. der Biotechnologie.
MA: Sehen Sie sich derzeit eher als Unternehmensberater oder als Interimsmanager? MV: In der derzeitigen Projektphase sehe ich mich eher als Interimsmanager, weil ich momentan die Auftragsvergabe für dieses Projekt steuere und verantworte.
MA: Man könnte schon kritisch anmerken, dass Sie sich in einer sehr komfortablen Situation befinden, da Sie Ihre eigene Position quasi „schaffen“ können... MV: Sicherlich schaffe ich mir mein Interimsprojekt bzw. meine Position im Grunde selbst, denn diese wird ggf. durch die derzeitige Vorarbeit erst entstehen. Man hat es so gesehen natürlich selbst in der Hand, ob und wie es weitergeht, denn wenn das Konzept nicht stimmt, dann ist das Projekt damit auch zu Ende! Aber dies ist meiner Einschätzung nach in anderen Interimsmandaten ebenso ein Risiko bzw. gehört zu den Vorteilen für unsere Auftraggeber. In meinem Fall wäre es natürlich der „best case“, wenn das Mandat gar nicht richtig „endet“, weil die (feste) Funktion des Geschäftsführers der Plattform als Einstiegsmöglichkeit bestünde.
MA: In unserer Diskussion mit Rolf Pfeiffer haben wir auch über das Handwerkzeug, quasi das „tool kit“, gesprochen, das jeweils wichtig ist. Was ist für Ihre derzeitige Position essentiell? MV: Mein Anspruch ist, dass man alle „Rollen“ schon mal selbst innegehabt haben muss und zusätzlich ein solides Spezialwissen benötigt. Um ein guter Unternehmensberater zu sein, sollte man zuerst in der Linie gewesen sein – das ist meine Meinung. Denn sonst besteht die Gefahr, dass man zu akademisch als Unternehmensberater arbeitet . Wichtig ist es, selbst schon einmal Konzepte umgesetzt zu haben, um ein Verständnis für die unterschiedlichen Rollen zu haben.
MA: Als Provider hegen wir natürlich den Wunsch, dass wir von dieser Art der Mandate in Zukunft mehr haben bzw. diese auch in anderen Bereichen möglich sind. Wie sehen Sie das? MV: Ob ein solches Mandat auch in anderen Unternehmenssituationen möglich ist? Ich glaube dass hier noch viel Raum für Wachstum ist und dass Unternehmen zunehmend die Vorteile einer intelligenten Flexibilisierung als Basis für neue Arten Geschäftsmodelle, zu entwickeln, erkennen werden. Aber: das geht nur gut mit reichlich Motivation und viel Kommunikation!
„Marco Versace zählt zu unseren besten Projektleitern, was dieses Interview aus meiner Sicht auch widerspiegelt. Vielen Dank noch mal für die Vermittlung. Das Projekt wird sicher noch einige Zeit weitergehen.“
Arnd Benninghoff, Director Holtzbrinck eLAB GmbH.
Dank an Anna Ott, den Management Angels und Arnd Benninghof, eLAB
http://www.managementangels.com/newsletter/2006/news_views_12_2006.php?case_study
Management Angels GmbH
An der Alster 82 20099 Hamburg
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